Fachveranstaltung zur Zukunft des Waldes

Können wir noch rechtzeitig handeln?

Der Wald im Klimahotspot

Mitte April veranstaltete der NÖ Landesverband eine Fachveranstaltung, bei der die Auswirkungen des Klimawandels auf die heimischen Wälder von Klimaforscher Marc Olefs von der GeoSphere Austria und Silvio Schüler vom Bundesforschungszentrum für Wald wissenschaftlich aufbereitet wurden. Die Teilnehmenden wurden dabei auf den neuesten Stand gebracht.

In der Einleitung unterstrich Obmann Markus Hoyos einmal mehr, in welch prekärer Klimasituation wir uns befinden. Die Erwärmung nimmt exponentiell zu, wodurch die Veränderungen in unseren Breiten deutlich drastischer ausfallen als im globalen Durchschnitt.

Politische Perspektiven und forstliche Zielsetzungen

Bevor fachlich in die Thematik eingestiegen wurde, überbrachten Sektionsleiterin Elfriede Anna Moser vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft sowie Landesforstdirektor Hans Grundner vom Amt der NÖ Landesregierung ihre Grußworte.

Elfriede Anna Moser unterstrich die Bedeutung solcher Veranstaltungen, die den Austausch zwischen Forschung, Praxis und Behörden fördern. Vor dem Hintergrund der klimatischen Veränderungen stoßen viele Baumarten, darunter auch der Brotbaum Fichte, an ihre Grenzen. Der Umbau hin zu resilienten Wäldern ist daher ein klares forstpolitisches Ziel im Regierungsprogramm.

Sie betonte, dass intensiv daran gearbeitet wird, den Waldfonds zur Sicherung der Resilienz, langfristigen Stabilität und strategischen Unterstützung fortzuführen. In den forstpolitischen Zielsetzungen wird zudem ein verstärkter Fokus auf genetische Aspekte gelegt und entsprechende Forschungsprojekte werden unterstützt, um Antworten auf horizontale und vertikale Klimaverschiebungen zu finden.

Darüber hinaus ging Moser auf aktuelle politische Themen wie die Entwaldungsverordnung, das forstliche Vermehrungsgutgesetz sowie die Wiederherstellungsverordnung ein und sprach auch die Bioökonomiestrategie an. Sie stellte klar, dass die Holzverwendung ein zentraler Schlüssel für die wirtschaftliche Situation der Forstbetriebe ist. Nur gesunde, stabile und ertragsreiche Wälder bilden eine verlässliche Grundlage für kommende Generationen.

Der neue Landesforstdirektor für Niederösterreich, Hans Grundner, betonte das Miteinander als Fundament für die Bewältigung der klimatischen Herausforderungen. Der Wald ist systemrelevant. Dieses Bewusstsein muss auch in der Gesellschaft stärker verankert werden, um das Verständnis für die vielfältigen Leistungen des Waldes zu fördern.

Klimawandel als Realität und Handlungsauftrag

Marc Olefs, Leiter der Abteilung Klima Folgen Forschung der GeoSphere Austria, präsentierte eindrucksvoll die Entwicklung des Klimas sowie mögliche zukünftige Szenarien. Der Klimawandel ist menschengemacht, real und beschleunigt sich. Damit steigen die Risiken kontinuierlich und teilweise sprunghaft an. Jede zusätzliche Tonne COverstärkt diese Entwicklung.

Gleichzeitig zeigte er sich überzeugt, dass rechtzeitiges Handeln noch möglich ist, auch wenn das Risiko mit jeder weiteren Emission zunimmt. Einen klar definierten Zeitpunkt, ab dem alle Entwicklungen irreversibel sind, gibt es nicht. Der Handlungsspielraum wird jedoch zunehmend kleiner.

Vor diesem Hintergrund liegt der zentrale Hebel in der Emissionsreduktion sowie im Aufbau von Resilienz. Unser Wohlstand hängt von intakten natürlichen Lebensgrundlagen ab. Klimaschutz ist daher immer auch Menschenschutz.

Wälder unter Druck und Teil der Lösung

Die Wälder stehen bereits jetzt durch Dürre, Hitze und Extremereignisse unter erheblichem Druck. Gleichzeitig sind sie durch ihre Funktionen im Wasserhaushalt, für die Biodiversität, den Schutz vor Naturgefahren, den Kohlenstoffkreislauf sowie ihre wirtschaftliche Bedeutung ein wesentlicher Teil der Lösung.

Darauf ging im Anschluss Silvio Schüler, Leiter des Fachinstituts für Waldwachstum, Waldbau und Genetik am Bundesforschungszentrum für Wald, ein.

Er machte deutlich, dass der Klimawandel die heimischen Wälder tiefgreifend verändert und die Waldbewirtschaftung vor neue Herausforderungen stellt. Besonders sichtbar wird dies an der Demografie der Wälder. Altersstruktur, Baumartenverteilung und Stabilität geraten zunehmend aus dem Gleichgewicht.

Ohne gezielte und aktive Maßnahmen zum Waldumbau können zentrale Leistungen des Waldes langfristig nicht mehr sichergestellt werden. Dazu zählt insbesondere seine Rolle im Klimaschutz, etwa durch CO2 Bindung und die Stabilisierung von Ökosystemen.

Gleichzeitig zeigt sich ein scheinbarer Widerspruch. Trotz zunehmender Schäden und bereits eingeleiteter Umbauprozesse befinden sich die Holzvorräte, vor allem im Nadelholz, auf einem Rekordniveau. Diese hohen Bestände bergen jedoch erhebliche Risiken durch Stürme, Trockenheit oder Schädlingsbefall.

Demnach sind die drei Verteidigungslinien zur Erhaltung von Ökosystemleistungen:

  • Assisted Migration, klimaresistente Genotypen, stärkere Durchforstung
  • Pflanzung anderer heimischer Baumarten und Mischbestände
  • Pflanzungen von nicht-heimischen Baumarten

Der notwendige Waldumbau ist häufig mit hohen Kosten verbunden, ohne kurzfristig zusätzliche Einnahmen zu generieren. Daher kommt der Holznutzung nicht nur im Hinblick auf die Stärkung von resilienten Beständen eine zentrale Rolle zu, sondern auch der Finanzierung der Anpassungsstrategien.

Um diese Transformation erfolgreich zu gestalten, braucht es zudem neue Wege in der Holzverwendung. Gefragt sind innovative und hochwertige Einsatzmöglichkeiten für Laubholz sowie für alternative Nadelbaumarten, die besser an zukünftige Klimabedingungen angepasst sind.

Diskussion zu Lösungen und Herausforderungen

Die anschließende Diskussionsrunde machte deutlich, dass Österreichs Forstwissenschaft eine wichtige Vorreiterrolle einnimmt und praktikable Wege im Umgang mit dem Klimawandel aufzeigt. Gleichzeitig wurde kritisiert, dass notwendige Maßnahmen auf politischer Ebene, insbesondere auf europäischer Ebene, noch nicht ausreichend umgesetzt werden und rechtliche Rahmenbedingungen oft bremsend wirken.

Einigkeit bestand darin, dass bereits wirksame Ansätze existieren, etwa die Naturverjüngung, mit der sich stabile Wälder entwickeln lassen. Zugleich stehen Waldbesitzer vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Nachhaltige Bewirtschaftung und CO2 Speicherung müssen auch finanziell tragfähig sein. Daher wurden funktionierende Märkte und geeignete Förderinstrumente eingefordert.

Kontrovers diskutiert wurden einzelne Lösungsansätze. Klimaanlagen wurden dabei nicht als langfristige Antwort auf den Klimawandel gesehen.

Weitere zentrale Themen waren die Bedeutung einer glaubwürdigen Forstwirtschaft, die ungelöste Wald Wild Problematik sowie die Notwendigkeit, bestehende Instrumente konsequenter anzuwenden. Auch innovative Ansätze wie Gentechnik wurden angesprochen.

Fazit

Es gibt keine einfachen Lösungen. Umso wichtiger ist entschlossenes Handeln auf allen Ebenen. Die Forstwirtschaft sieht sich in der Verantwortung, aktiv Teil der Lösung zu sein und ihre Stärken gezielt einzubringen.